Tirol drängelt am Brenner "Bayern muss alles dafür tun"

Beim Brenner-Basistunnel bekommen die Planer auf beiden Seiten der Alpen feuchte Hände: Das geplante Mega-Bauwerk zwischen Innsbruck und Franzensfeste droht im Zeitplan zurückzufallen. Jetzt sollen sich die Bayern mit ihren Baumaßnahmen beeilen.

Das österreichische Bundesland Tirol erhöht bei den Planungen und Baumaßnahmen für den Brenner-Basistunnel (BBT) den Druck auf das Nachbarland im Norden. Bereits in wenigen Jahren soll der knapp 60 Kilometer lange Eisenbahntunnel auf der Strecke von Italien nach München den Brenner unterqueren - und damit eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen der Alpen entlasten.

"Bayern muss alles dafür tun, dass die Zulaufstrecke für Berlin eine zwingende Notwendigkeit wird", sagte der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter bei einem Ortstermin mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann in Steinach am Brenner.

Beim Ausbau der Schienenverbindungen, die später den Verkehr für das länderübergreifende Infrastrukturprojekt zusammenfassen sollen, sei Österreich schon sehr viel weiter. Herrmann betonte: "Wir stehen absolut zu dem Projekt und wollen nicht, dass Bayern zum Nadelöhr wird." Er wolle das Projekt "zügig voranbringen, aber nicht über die Köpfe der Bürger entscheiden - trotz des Zeitdrucks".

Herrmanns Bedenken beziehen sich auf das aufwändige Planungsverfahren nördlich der Alpen. Sollte es dort zum Beispiel aufgrund von Gerichtsverfahren oder Bürgerprotesten zu Verzögerungen bei den Vorarbeiten kommen, könnte das Kernstück des Verkehrsprojekts, der Brenner-Basistunnel, vor den Schienennetzanschlüssen im Norden fertig werden. In diesem Fall dürfte es Jahre dauern, bis die erhofften Vorteile bei der Verlagerung des transalpinen Güterverkehrs auf die Schiene zum Tragen kommen.

Deutschlands Verbindung in den Süden

Die geplanten Tunnelröhren zwischen Innsbruck und Franzensfeste gelten schon jetzt als ein Jahrhundertbauwerk. Der Brenner-Basistunnel ist Teil der von der EU geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Berlin und Palermo. Es ist das derzeit größte grenzüberschreitende Verkehrsprojekt zwischen Österreich und Italien. Experten gehen davon aus, dass es auch erhebliche Auswirkungen auf den Schienen- und Lastverkehr in Deutschland haben wird.

Mit einer Länge von rund 64 Kilometern soll der Tunnel eine weitere Transportachse des Schienenverkehrs in Nord-Süd-Richtung neben dem Gotthard-Basistunnel eröffnen. Nach der Fertigstellung soll die sogenannte Brennerbahn die beiden Städte München und Verona über eine Schienenstrecke von 425 Kilometern für den Personen- und Güterverkehr verbinden.

Quelle: N-TV.de

„TUNNEL MIT OHREN“ MACHT BUNDESWEIT SCHULE

Österreichs Tunnel bekommen „Ohren“ und sollen dadurch sicherer werden. Drei Jahre lang wurde das akustische Sicherheitssystem bereits im Kirchdorftunnel auf der S35 bei Bruck getestet. Jetzt soll das System bundesweit ausgebaut werden.

Ein Unfall in einem Tunnel gehört zur Alptraumvorstellung vieler Autofahrer. Wenn es aber doch dazu kommt, dann kann das neue Überwachungssystem dafür sorgen, dass schneller Hilfe kommt - Zeit, die leben retten kann.

Auswertung in der Sekunde

Wie das neue System funktioniert, erklärt Projektleiter Franz Graf von Joanneum Research: „Es sind Mikrofone im Tunnel montiert. Die akustischen Signale dieser Mikrofone werden sofort an Analyserechner weitergeleitet und dort automatisch ausgewertet. Und die kritischen Ereignisse werden dann sofort dem Operator gemeldet. Er bekommt auch gleichzeitig die richtige Videokamera aufgeschaltet, das heißt, er sieht von der Überwachungszentrale aus sofort, also nach einer Sekunde, was im Tunnel genau passiert ist.“

Um bis zu zwei Minuten schneller

Erste Erfahrungen mit dem System wurden in den vergangenen drei Jahren mit einem Pilotprojekt im steirischen Kirchdorftunnel gesammelt. Alois Schedl von der ASFINAG zu den Ergebnissen: „Dieses akustische Warnsystem ermöglicht es uns, um ein bis zwei Minuten früher gegenüber den herkömmlichen Warnsystemen von Ereignissen, Unfällen und dergleichen zu erfahren, und damit können wir schneller reagieren und wir können damit schwere Unfälle oder auch eventuell Brände rechtzeitig verhindern und damit Schäden abwehren.“

32 Tunnel sollen „Ohren“ bekommen

Aufgrund der guten Testerfahrungen soll das akustische System nun auch in anderen Tunnelanlagen installiert werden. In der Steiermark wird das neue System derzeit im Bosrucktunnel eingerichtet, wo es schon ab dem nächsten Jahr zum Einsatz kommen soll.

In den kommenden Jahren soll das System in insgesamt 32 österreichischen Tunneln installiert werden, unter anderem im Plabutsch- und im Gleinalmtunnel. Die Kosten dafür liegen bei rund 100.000 Euro pro Tunnelkilometer, österreichweit werden rund 16 Millionen Euro dafür investiert. Darüber hinaus ist man bei ASFINAG und Joanneum Research zuversichtlich, dass künftig auch andere Länder Interesse an den österreichischen „Ohren für den Tunnel“ haben werden.

Quelle: ORF.at 
Links: ASFINAG · Joanneum Reserach